Mit dem Rollstuhl in den Hochseilgarten

veröffentlicht am 24. Juni 2012

Wenige Monate nach seiner Konzeptionierung konnte einer der ersten Hochseilgärten für Menschen mit und ohne Behinderung am Wochenende im westfälischen Rüthen eröffnet werden. In einem Festakt am Diözesanzentrum „Eulenspiegel“ feierten die Kooperationspartner der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) im Diözesanverband Paderborn und der Seilschaft UG aus Arnsberg die Einweihung. „Unser Ziel ist es, dass Menschen mit Behinderungen nichts besonderes in der Gesellschaft sind“, betonte DPSG-Diözesanvorsitzender Jan-Philipp Krawinkel.

Rund 150 Gäste, darunter natürlich Pfadfinder aus dem gesamten Erzbistum Paderborn, Verantwortliche der Katholischen Kirche, Politiker, Vertreter aus der Schullandschaft und von der Stadt Rüthen mit Bürgermeister Peter Weiken sowie vom Kreis Soest feierten die Einweihung mit. Diese nahm der ehemalige Diözesankurat Vikar Tobias Dirksmeier vor, der den Segen für den Hochseilgarten mit den Worten „Achtsam sein für einander“ umschrieb. Rüthens Bürgermeister Weiken betonte in seinem Grußwort die Bedeutung dieses „mutigen Schritts“ für die Region Südwestfalen und lobte die Arbeit als „höchst innovativ“. Zwischen Masten gebaut ermöglicht der Hochseilgarten an vierzehn hohen Stationen auch Menschen im Rollstuhl neue Erfahrungen in der dritten Dimension.

„Hier zählt nicht die Leistung des Einzelnen für sich, hier zählt, was die Leistung des Einzelnen für die Gruppe zum Gelingen des Großen-Ganzen beiträgt“, erklärte Andreas Bostroem, Entwickler des Hochseilgartens von der bauführenden Firma ALEA GmbH aus Marburg. Er stellte während der Eröffnung die einzelnen Stationen wie die „Fahrt ins Nichts“ oder den „Fliegenden Steg“ vor. Dass der Hochseilgarten zwar mit einem Rollstuhl genutzt aber nicht barrierefrei ist, zeigten die Mitarbeiter der Seilschaft bei der Vorführung. Der Rüthener Pfarrer Bernd Götze und Bürgermeister Peter Weiken ließen sich auf eine erste Tour durch den Hochseilgarten ein, während die Kinder und Jugendlichen die klassische Kletterwand ausprobieren durften.

Der Vorlauf zum Hochseilgarten war kein langer. Im Rahmen von Überlegungen der Pfadfinder zur Weiterentwicklung des Jugendhauses und Zeltplatzes zu einer Erlebnis- und Erholungsstätte für Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderungen wurde die Idee zum Hochseilgarten geboren – und am Ende des Jahres 2011 stand bereits der rollstuhlgeeignete Hochseilgarten. Möglich gemacht hatten dies die kurzfristige Förderung aus dem Kinder- und Jugendförderplan des Landes NRW sowie die Spenden der Hofmann-Stiftung des Verbandes der Diözesen Deutschlands und der Sparkasse Lippstadt.

Während die Pfadfinder Erfahrung aus der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sowie der Behindertenarbeit mitbrachten, konnte die DPSG mit der Seilschaft UG einen Kooperationspartner für den Bereich der Erlebnispädagogik gewinnen. Seit 2005 arbeiten der katholische Pfadfinderverband und die Seilschaft am Diözesanzentrum zusammen. Um das Wachsen dieser Kooperation zu verstärken, schenkten die beiden Geschäftsführer Frank Feldmann und Oliver Teipel dem Diözesanvorstand mit Anna Werner und Jan-Philipp Krawinkel einen Apfelbaum, der auf der Fläche des Hochseilgartens gepflanzt wurde und zukünftig müden Kletterern Schatten spenden soll.