Neues von der Klimakonferenz in Warschau

veröffentlicht am 22. November 2013

Jörn_Becker_Klimakonferenz_WarschauHallo zusammen, ich möchte in diesem Bericht versuchen, euch einen kurzen Überblick über den Klimagipfel geben. Allerdings weiß ich jetzt schon, dass mir dies nicht komplett gelingen wird, da hier so viel parallel abläuft und unsere Delegation wirklich sehr viel in den letzten Tagen erlebt hat. Ich versuche euch einen Überblick zu geben, wie ein typischer Tag aussehen könnte.
Frühes Aufstehen ist Pflicht. Für uns geht es also um 5 Uhr raus aus den Federn. Dann stellen wir den Plan für den Tag zusammen, frühstücken und finden uns jeden Morgen um 8.00 Uhr zur täglichen UN-Young-Besprechung (Versammlung der Jugendverbände) ein. Dort gibt es einen Überblick über geplante Aktionen und vieles mehr.
Vor ein paar Tagen habe ich als Privatperson an einer Protestkundgebung von Greenpeace teilgenommen, und mich für die Freilassung der so genannten zum “Artic 30“ einzusetzen. Bei dieser Protestaktion haben wir, die Bilder der eingesperrten Greenpeace-Aktivisten in den Händen haltend, uns im Eingangsbereich in einer langen Reihe aufgestellt und dabei die offiziellen Delegierten „begrüßt“.
Um zehn Uhr ging es dann zu unserer Ausstellungsstand. Dort stellen wir unsere Arbeit vor wie zum Beispiel das kürzlich aufgesetzte „Messengers of Peace“ oder das „World Scout Environmental Program“. Am Stand kommen wir mit Besucherinnen und Besuchern aus aller Welt ins Gespräch. Oft kommen auch ehemalige oder noch aktive Pfadfinder zu unserem Stand. Zum Beispiel hatte ich das Glück, mich mit einem Pfadfinder aus Trier zu unterhalten. Später stellte es sich heraus, dass er Teilnehmer der offiziellen deutschen Delegation ist. Er versprach mir, mich bei meinen Bemühungen um einen Interview-Termin bei der deutschen Delegation zu unterstützen. Ich hoffe, das klappt!
Mittwoch hatte ich einen sehr vollen Tag mit sehr vielen spannenden Veranstaltungen. Donnerstagmittag haben wir an einer sehr beeindruckenden Veranstaltung über „Generationenübergreifende Gerechtigkeit“ teilgenommen. Unter den Vortragenden waren ein deutscher Jugendlicher, Nathan Niedermeier, von der Bundjugend NRW und eine Pfadfinderin aus der WAGGGS-Delegation, Sylvia Yirenkyi aus Ghana . Des Weiteren sprachen Ahmad Alhendawi (UN-Beauftragter für Jugendliche) und Christiana Figueres (Generalsekretärin des Sekretariats der Klimarahmenkonvention UNFCCC der Vereinten Nationen). Sehr beeindruckend waren die kraftvollen Reden der Podiumsteilnehmer. Ich könnte hier seitenweise darüber schreiben. Aber ich beschränke mich auf den Beitrag von Christiana Figueres (UNFCCC-Generalsekretärin). Sie schilderte ihren Traum, den 1,6 Milliarden Menschen, die keinen Zugang zu Energie bzw. sauberer Energie haben, diesen zu ermöglich und dass 50% der Frauen nicht mehr über offenem Feuer kochen müssen. Sie ist wirklich eine Botschafterin für diese Sache.
Der Weg dorthin ist manchmal frustrierend, denn laut Christiana Figueres ist dies „kein Sprint, sondern ein Marathon!“ Allerdings können wir es erreichen und sie berichtete, dass mittlerweile ein Umdenken in den offiziellen Delegationen stattfindet. Weiter sagte sie, dass „die, die schon ihre Stimme erheben, nicht das Problem sind. Problem seien diejenigen, die schweigen“ und als Pfadfinder engagieren wir uns schon sehr deutlich dafür. Eine Frage, die sie uns Jugendlichen mit auf den Weg gab, und die ich an euch weiter geben möchte, ist folgende: „Wer von euren 10 besten Freunden engagiert sich genauso wir ihr für eine lebenswerte Zukunft?“. Danach ging es weiter zu der Veranstaltung “Jugendarbeit mit Kindern, um eine nachhaltige Zukunft zu schaffen”. Einer der Sprecher ist ein großer Fan der Pfadfinderarbeit und hat WOSM und WAGGGS so oft erwähnt, dass ich aufgehört habe, die Male zu zählen. Damit er weiterhin auch als unser „Botschafter“ auftritt, haben wir ihm das Halstuch des Programms „Messenger of Peace“ geschenkt, das wir extra für solche Gelegenheiten mitgenommen haben.
Zum Abschluss des Tages habe ich noch an einer Veranstaltung des „Gold Standard/ FSC (Forest Stewardship Council/ Fairtrade)“ teilgenommen, in der es um Möglichkeiten ging, durch Forstwirtschaft Kohlenstoffdioxid zu senken und gleichzeitig den fairen Handel zu fördern. Hier ist zum Beispiel das neue Label „Fairtrade Carbon Credits“ vorgestellt worden, welches Ende 2014 nutzbar sein soll. Es geht in diesem Fall darum, dass zum Beispiel Kleinbauern aus Ghana, die kaum CO² emittieren, eine zusätzliche Einkommensquelle erhalten.
Während des Tages treffen wir Delegierten uns kaum, da wir versuchen, möglichst viele Veranstaltungen abzudecken. Abends kommen wir aber zusammen, um ausführlich zu besprechen, was wir erlebt haben und was wir am nächsten Tag noch machen wollen. Oft kombinieren wir dies mit dem gemeinsamen Abendessen und so kommen wir dann meist erst kurz vor Mitternacht glücklich und erschöpft in unserem Hostel an.

Schönen Gruß
Jörn Becker