Der eigenen Verbands-Geschichte nachspüren

veröffentlicht am 26. Juni 2015
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Günter Anhalt und Erich Hellmann beim Sotieren der Sommerlager-Berichte.

In der Luft liegt der Geruch über eines halben Jahrhunderts Geschichte. Nicht muffig, eher riecht es etwas nach Papier und Holz. Regale voll mit Ordnern, Büchern und kistenweise Papier reihen sich aneinander. Dann gibt es Schränke voll mit Devotionalien. Banner, Abzeichen, Aufnäher, Anstecker, Tassen, Vasen, Wimpel und vieles mehr befinden sich darin. Das Archiv der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg im Erzbistum Paderborn ist eine wahre Schatztruhe für Freunde der Geschichte des Pfadfindertums und katholischer Jugendverbandsarbeit in Süd- und Ostwestfalen sowie dem Östlichen Ruhrgebiet. Im Dachgeschoss der Alten Mühle auf dem Gelände des Jugendhauses Hardehausen hat es seinen Platz gefunden.

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Franz Hucht ist Leiter der Dokumentationsstelle.

„Unser Ziel ist es, diesen umfangreichen Bestand zu erschließen und zugänglich zu machen“, berichtet Günter Anhalt (70), der seit einigen Jahren ehrenamtlich am Aufbau des Archivs mitwirkt. „Aber es macht auch Spaß, der eigenen Geschichte nachzuspüren, sonst würden wir hier nicht mitmachen“, ergänzt Erich Hellmann (73). Die beiden Ruheständler sind seit den 60er Jahren in der DPSG aktiv. Günter Anhalt aus Hamm wirkte lange Jahre im Gau Mark, später im Bezirk Soest-Hamm und danach in den Rechtsträgern des Verbandes auf Diözesanebene. Erich Hellmann aus Dortmund sagt von sich, dass er „fast alle Positionen, die es in der DPSG gibt, bekleidet hat“. Das reicht vom Truppführer über den früheren Stammesfeldmeister bis zum stellv. Diözesanvorsitzenden. Beruflich war er Geschäftsführer für den Diözesanverband des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), damals im Zusammenschluss mit dem Erzbischöflichen Jugendamt.

„Wir haben hier über 20 Meter Regalwände mit Archivmaterial und im Computer sind über 500 Datensätze erfasst“, erklärt Franz Hucht, Leiter der Dokumentationsstelle für kirchliche Jugendarbeit im Erzbistum Paderborn. Diese Fachstelle befindet sich in Trägerschaft des BDKJ und die DPSG hat ihr Archivmaterial als Depositum übergeben. Die Dokumente sind dort also zur Verwahrung und Erschließung hinterlegt. Franz Hucht freut sich über die Unterstützung der beiden langjährigen Pfadfinder, „sonst wäre das hier so nicht möglich.“

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Erich Hellmann mit einem alten Fotoalbum.

Das Archiv der DPSG – bereits in den 70er-Jahren in Rüthen im Diözesanzentrum der Pfadfinder begonnen – ist das umfangreiste der katholischen Jugendverbände im Erzbistum. Erste Bestandteile reichen noch in die Zeit vor den 2. Weltkrieg, beispielsweise das Privatalbum des Landesfeldmeisters Anton Breitenstein von 1931. Ein kleiner Schatz ist aber auch die Chronik der Landespfadfinderschaft von 1946 bis 1951. Den Großteil des Archivbestandes machen aber die zahlreichen Einträge über die vielen aktiven oder geschlossenen Pfadfinderstämme im Erzbistum aus. Dazu konnten Günter Anhalt und Erich Hellmann selbst viel beisteuern. „Sobald ich Bekannte treffe, die etwas abzugeben haben, bekomme ich klebrige Finger“, scherzt Günter Anhalt, der umfangreiche Sammlungen aus dem ehemaligen Gau Mark gesammelt hat.

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In den Kisten verbergen sich die Geschichten der Pfadfinderstämme im Erzbistum Paderborn.

Einmal im Monat kommen Günter Anhalt und Erich Hellmann nach Hardehausen, um zusammen mit Franz Hucht am Archiv weiterzuarbeiten. Manchmal handelt es sich dabei auch nur um stupide Arbeit, beispielsweise die Berichte von den einzelnen Ferienfreizeiten nach Bezirken zu ordnen und abzuheften. Viel Zeit zum Lesen bleibt nicht immer, wobei die beiden Hobbyarchivare immer gerne einen Blick auf die Dinge werfen. „Vieles davon haben wir damals auch gemacht – nur anders“, meint Erich Hellmann schmunzelnd zu den Entwicklungen im Verband. Für das Archiv wünschen sie sich, dass möglichst viele Stämme ihr Material dort hinterlegen und nicht im Keller oder einer Garage verkommen lassen würden. „Ideal wäre es, wenn sich jemand im Stamm verantwortlich fühlt und darum kümmert“, erklärt Franz Hucht. Viele Stämme würden beispielsweise regelmäßig eine Chronik erstellen, das sei ideal. Das Archiv sei eine Anlaufstelle für Nachforschungen, beispielsweise wenn ein Jubiläum oder Ehemaligentreffen anstehe. Erich Hellmann: „Es ist wirklich eine gute Tat, die Geschichte zu dokumentieren.“