Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg
Diözesanverband Paderborn

Russland 2009

„Ich möschde diesen Teppisch nischt gaufen“

Oder: We survived Russia in 2009

Wir hatten uns ja eigentlich für harte Rover gehalten, für siebzehn mutige Mädels und Jungs aus Dormagen, Dortmund und Witten. Doch dann flogen wir mit Hilfe des Eurotransit (dank vielfältiger Unterstützung super günstig) für zwei Wochen nach Russland – und viel zu lernen wir noch hatten.

Ankunft in St. Petersburg

Alle da? Check. Alle gesund? Check. Gepäck da? Neeeeeeeein! Lukas‘ Gepäck war nicht aufzufinden, in Düsseldorf war es noch da. Na das fängt ja toll an. Vor allem weil ja niemand von uns ein Habe-mein-Gepäck-verloren-Formular ausfüllen konnte – am Internationalen Flughafen wird offenbar fließendes Kyrillische und eine mikroskopische Handschrift vorausgesetzt. Naja, zu viel Gepäck wird sowieso überbewertet.

Ankunft in Losevo

Dank der stets gepflegten Bustransporttechnlogie der frühen 60er Jahre kommen wir unbeschadet auf dem Zeltplatz in Losevo an. Oder zumindest in der Nähe davon, denn vorfahren ist nicht möglich. Russische Straßen sind eine Erfahrung für sich; an anderen Orten würden Motocrossgeniesser wohl für solche Pisten viel Geld bezahlen.

Der Zeltplatz selber ist aber tatsächlich wunderschön; mitten in einem Wald so groß wie Brandenburg (für russische Verhältnisse ein „Wäldchen“) gelegen, unter Kiefern mit einer eigenen kristallklaren Quelle. Hier gibt es auch die erste Überraschung: Überall Plastikzelte. Russische Scouts verwenden nahezu ausschließlich günstigste Baumarktzelte, Stoff ist teuer. Schwarzzelte gibt es schon gar nicht, da ist die eingeflogene Jurte sofort eine kleine Attraktion.

Gruppenkacken

Die zweite Überraschung ist die sanitäre Versorgung, denn es gibt schlicht keine. Die einheimischen Platzvorbereiter haben in weiser Voraussicht zwar liebevolle Plastikplanen-Separés geschaffen, diese trennen aber nur die Geschlechter – in je zwei Vierergruppen. Waschgelegenheiten oder gar Duschen sind eine komplette Fehlanzeige. Man lernt hier auch recht schnell, dass sogar militante Nichtraucher besser mit einer Zigarette aufs Örtchen gehen, denn der Rauch verscheucht zuverlässig das allgegenwärtige blutsaugende Insektenvolk. Da eine Schachtel Kippen aber mit ein paar Rubel (1€=45Rubel) recht günstig ausfällt, lässt sich das verschmerzen.

Russisches Lagerleben – Lernen und Kennenlernen

Der Zeltplatz ist toll. Wir sind direkt an einem See, der eigentlich ein Fluss ist, in Dünen und es ist herrlich bequem. Wir werden pünktlich mit Lebensmitteln in ausreichenden Mengen und Qualität versorgt und lernen schnell (und Fehlerreich), wie man sinnvoll auf Feuer kocht.

Überall im Wald um den Platz herum campieren auch andere Menschen: “Most of them are tourists” lernen wir von Campleiter Arthur, “but a few live here nearly the whole year” fügt er hinzu und wir kommen aus dem Staunen über die einfachen Zelte aus Plastikplanen nicht heraus.

Es gibt jede Menge Lagerprogramm: das Willkommen der russischen Scouts. Es gibt Brot und Salz (angereicht in traditioneller Tracht) und ein paar lustige Gruppenspiele, wie auch in den folgenden Tagen. Ein sehr lustiger Spass für alle, keinesfalls aufgehalten von sprachlichen Barrieren – es gibt beste Lagerstimmung mit gefühlten hundert Teilnehmern.

Flagbreak!

Jeden  Abend und jeden Morgen wird das Landesbanner gehisst oder eingeholt, selbstverständlich begleitet von den  jeweiligen Nationalhymnen. Nach drei Tagen haben wir auch schon unseren Eigenen Text drauf, vorher mussten Füllwörter herhalten. Versteht aber eh keiner, die Lagersprache ist „Screnglisch“. Da Englisch in Russischen Schulen nur extrem notdürftig gelehrt wird, wird mit viel Spass aber überraschendem Erfolg das Scout-Russion-English verwendet.

Mehr?

Unter http://www.wittener-pfadfinder.de/blog/category/russland-2009/ gibt es unser spannendes Reise-Blog und jede Menge Fotos. Wir haben es uns nicht nehmen lassen, täglich live von der Reise zu berichten. Spannend sind an dieser Stelle auch die Kommentare der besorgten Eltern nach waghalsigen Aktionen und … nennen wir sie „Ereignisse“. Außerdem: Videos vom „Living Dictionary“-Workshop und und und ….