Braunkohle ist gar nicht braun (und Wind nicht ruhig)

veröffentlicht am 14. November 2012

Energietag 2012 (Gruppenbild)So leise wie ich vorher dachte ist es hier auf dem Winkraftanlagen-Testgelände der „windtest grevenboich gmbh“ gar nicht. Eine etwa zehn Jahre alte Anlage röhrt mit der Nenndrehzahl ganz schön und ist hier unten auf dem Acker deutlich zu hören. Neuere Anlagen sind daher deutlich höher als der alte 60-Meter Turm, denn der Schall trägt im Wind nicht weit. Die modernste Maschine auf dem Gelände ist der Prototyp einer Neuentwicklung der SIEMENS AG und misst an die 110 Meter Nabenhöhe. Obwohl hier allein die drei Rotoren zusammengenommen schon größer wären als der alte Turm, ist es merklich ruhiger auf dem Boden.

Energietag 2012 (Baender)An dieser interessanten Erfahrung war der der Bundesarbeitskreis Ökologie schuld. Am Samstag durften wir uns mit fünfundzwanzig Pfadfindern aus dem ganzen Bundesgebiet Vergangenheit und Zukunft der Stromproduktion von ganz nah anschauen. Für die Vergangenheit stand der Braunkohletagebau Gartzweiler (I und II). Braunkohle ist heute der emissionstechnisch schmutzigste Rohstoff, um Strom zu produzieren. Windenergie dagegen ist eine der erneuerbaren Energiequellen, die in Zukunft noch weiter ausgebaut werden. Daher auch der Besuch in bei „windtest“, denn dort werden die Windräder der Zukunft vermessen und zertifiziert. Schallemissionen gibt es nämlich so einige, und auch der Netzanschluss der Wetterabhängigen Großgeneratoren bringt ganz eigene Herausforderungen mit.

Die Energiewende ist aber von der Bundesregierung beschlossen und eines der größten Zukunftsprojekte unserer Zeit. Um mehr über das Thema Strom und vor allem auch die klassische Energiegewinnung zu lernen waren wir mit einer Gruppe Rover und Leitern unterwegs. Zuerst auf dem windigen Feld und dann im Braunkohletagebau.

Energietag 2012 (Absetzer)Von besagtem Tagebau bleibt ständig die Beschreibung „gewaltig“ im Kopf. Hunderte Meter tief, auf einer Fläche von 48 Quadratkilometern ausgedehnt und mit den größten Baggermaschinen der Welt ausgestattet wird hier nach Kohle gegraben. Braunkohle ist stark schwefelhaltig und hat im Vergleich mit Öl oder sogar Gas eine sehr schlechte Klimabilanz; allerdings ist der Rohstoff trotzdem sehr Energiereich und die Umwandlung in elektrischen Strom in der Nähe eines Tagebaus sehr günstig. Gut für die Wende: Windkraft ist sowohl preislich als auch technisch heute mehr als konkurrenzfähig. Binnenwindanlagen leisten viel, sind sehr robust und in Deutschland bietet sich noch viel bebaubare Fläche – mehr als für die klassische Photovoltaik.

Versehen mit neuen Materialien und Methoden wurden wir nach einem spannenden Tag in Grevenbroich verabschiedet. Die Lernerfahrungen, Ideen und Geschichten aus der Fahrt hier zusammenzufassen würde den Rahmen leider deutlich sprengen. Wir können den Energietag aber – sofern er nochmal stattfindet – jedem empfehlen, die Tour war großartig. Vielen Dank liebes Bundesamt.

Mehr Bilder gibt es bei den Wittener-Pfadfindern (Fotograf: Sebastian Humbek)


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