Rüthen wird unabhängiges Selbstversorgerhaus

veröffentlicht am 1. April 2017

Autarkversorgern ist es bekanntlich lieber, Essen aus dem Garten oder dem Keller zu holen, anstatt in einem Supermarkt industriell produzierte Lebensmittel einzukaufen. Ganz im Sinne der Pfadfinderschaft und Baden Powells „Ein Mensch der keine Pläne macht, macht auch keine Fortschritte“ soll das Diözesanzentrum Rüthen nun auf den autarken Versorgungsbetrieb umgestellt werden. Den dazu notwendigen Antrag seitens des AK Ökologie und AK (H)Ausbau hatte die Diözesanversammlung zur außerordentlichen Sitzung im November bereits genehmigt. Erste Pläne für das fortschrittliche Konzept liegen nun vor.

Ein Teil der Umbauten soll in Eigenleistungen in Form von Woodbadge-Kursen umgesetzt werden. Mit dem pädagogische Konzept „Transitiv dirigierte Projektfindung“ hatten erfahrene WBK-Teamer schon länger Kritik an der umfassenden Freiheit bei der aktuell praktizierten Projektfindung geäußert.

Um wirklich unabhängig zu wirtschaften, werden entsprechende Anbauflächen und Ressourcen benötigt. Ausreichende Ackerflächen sind bei 73% Nutzung der vorhandenen Zeltplatzflächen durchaus erreichbar, rechnet der AKÖ vor, man müsse ergänzend nur kleine Mengen Wald roden. Zugute kämen der Planung außerdem die dem Boden zugeführten Nährstoffe durch den jahrzehntelangen Zeltplatzbetrieb, besonders an den Randbereichen. Hinterfragende Stimmen beschwichtigt der AK auch sofort: „Die Arena kann bleiben“, heißt es. Allerdings nicht ohne den verschmitzten Zusatz „zumindest bis die Pläne für die Fischzucht konkreter werden“.

Doch die Planung endet nicht bei der Lebensmittelversorgung; es geht auch darum, eigene elektrische Energie zu erzeugen. Ein multifunktionaler Turmaufsatz für die Kapelle, der sowohl Glocken als auch eine kleine 1.3mW Windradanlage enthält, könnte schon ausreichen. „Da kein Pfadfinder heute mehr ohne Powerbank unterwegs ist“, mein Jörn Becker, „rechnen wir nicht mit den sonst üblichen nächtlichen Ladestromschwankungen“. Viele strukturelle Probleme wie eine teure Energieverteilung oder Versorgersicherung träten bei sowieso rationiertem Strom gar nicht auf.

Ähnliches gilt auch für den Internetzugang. Im Zuge der Virtualisierung könne man heute leicht hundert Internetseiten auf einem eigenen energiesparenden Server bereitstellen. „Bis die jemand alle gelesen hat“, weiß IT-Chefin Gisela, „ist eh wieder Zeit für eine Frühstücksernte“.

Der Schüssel zur Unabhängigkeit liegt außerdem in der Speicherung von Sonnenstrom und -wärme im Haus selbst. Die 2.66m starken Betonfundamente des neuen Traktes sollen dafür ausreichen, zumal dieser Gebäudeteil bereits durch den Einbau der Holzverbrennungsanlage vor zwei Jahren teilweise auf Eigenwärme umgerüstet ist. Der ehemalige Zeltekeller soll zudem einer modernen Biogasanlage Raum bieten.

Ob den Hausgästen die Umstellungen gefallen? „Ich freue mich darauf“, meint Dauergast und Landesumweltminister Remmel, „ein mutiger Zug. Ich werde im Ministerium Flyer auslegen um das Projekt zu fördern“. Ähnlich positive Stimmen gibt es auch vom Landesverband der Pirsch- und Sammelgruppen (PSG) und den Bundesverband der korntrinkenden Jugend (BDKJ).

Ein großes und sehr ambitioniertes Vorhaben, doch das hat diesen Verband noch nie aufgehalten.