„Mehr als eine Bildungsmaßnahme“ –Weihbischof König informiert sich beim BOC in Rüthen

veröffentlicht am 28. März 2022

Sophia steht oben. Sie ist die große Leiter hoch geklettert, ganz oben, einige Meter über den Köpfen ihrer Klassenkamerad*innen. Jetzt kommt der Übergang zu den eingelassenen Steighaken. Es fällt ihr schwer, weiter zu machen. Kein Wunder, wenn man noch nie geklettert ist. Von unten sprechen die Jugendlichen ihr Mut zu. „Du machst das toll“, rufen sie. „Das schaffst du!“ Das Mädchen nimmt allen Mut zusammen, versucht sich hochzuziehen. Der Wind pfeift durch den Seilgarten, die Hände sind mittlerweile eiskalt. Sie kann sich nicht länger halten – und wird aufgefangen durch die Sicherung ihrer Klassenkamerad*innen. Gehalten vom Klettergurt, wird sie langsam und sicher wieder zur Erde gelassen. Sie ist aufgeregt, ein bisschen traurig, wird aber gleich umringt. Tröstliche Worte, Umarmungen. Sophia hat sich auf ihr Team verlassen und erfahren, wie Zusammenarbeit funktioniert.

„Genau das erleben die Jugendlichen, wenn wir im Rahmen der Berufsorientierungs-Camps (BOC) einen Tag im Seilgarten verbringen“, erläutert Lena Wierich Weihbischof Mathias König und BDKJ-Diözesanseelsorgerin Helena Schmidt diesen Baustein der Schulbegleitenden Jugendsozialarbeit  im Diözesanzentrum in Rüthen. „Es geht neben der Reflektion von Berufswünschen und der Arbeit an Kommunikationsfähigkeiten ganz besonders um stärkenorientierte Teamarbeit. Wir wollen benachteiligten Schüler*innen zeigen, was sie alles können. Perspektiven aufzeigen.“ Weihbischof König und Helena Schmidt besuchten im Rahmen des Josefstags das DPSG Diözesanzentrum in Rüthen, um sich vor Ort über die Arbeit der DPSG im Bereich Schulbegleitenden Jugendsozialarbeit  zu informieren. Im ganzen Bundesgebiet wird an diesem Tag in dezentralen Aktionen auf die Einrichtungen und Arbeit der katholischen Jugendsozialarbeit, besonders im Bereich der Jugendberufshilfe, aufmerksam gemacht. Im Haus am Eulenspiegel sind die Klassen aus Haupt- und Förderschulen von Montag bis Freitag mit ihren Lehrkräften. Seit 2003 wird hier Berufsorientierung mit pfadfinderpädagogischer Unterstützung angeboten. „Neunzig Prozent unserer Teamer*innen, die die inhaltliche Betreuung in den BOCs leisten, haben einen DPSG-Hintergrund. Sie geben hier an benachteiligte Jugendliche weiter, was sie selbst als Pfadfinder*innen und ehrenamtliche Jugendleiter*innen erlebt haben.“ 

Der Ort, an dem das passiert, ist nicht nur irgendein Bildungshaus. Das Diözesanzentrum mit dem großen Zeltplatz und der Hochseilgarten-Anlage ist das „Wohnzimmer“ des Verbandes. „Ein Ort, an dem viel passiert,“ sagt Ulrich Weber vom Diözesanbüro. „Hier geht es um mehr als Bildungsangebote.“ Wie dieser Ort in Zukunft aussehen soll, darüber informieren Ulrich Weber und Diözesanvorsitzender Patrick Höckelmann im Anschluss an den Besuch im Seilgarten. Das Motto des Josefstages „Lebenszeichen – Jugend hat Perspektive“ passt an diesem Nachmittag nicht nur auf die Klasse, die vor Ort ist, sondern auch auf den Ort selbst, der in den kommenden Jahren grundlegend umgestaltet werden wird – selber eine neue, zukunftssichere Perspektive bekommt.

Aus dem Seilgarten hört man derweil wieder aufmunternde Rufe, Lachen. Die nächste Jugendliche wird nach ihrer Klettertour in der Sicherung herab gelassen. Alle arbeiten gemeinsam, unterstützen sich gegenseitig. Diese Erlebnisse nehmen die Schüler*innen mit nach Hause. In Rüthen sollen sie – ganz im Sinne des Josefstages – auch in Zukunft weiter gegeben werden. 


Möchtest du einen Kommentar schreiben?