Projekte in Bolivien

Wie ihr inzwischen bestimmt wisst, wollen wir mit der Jahresaktion Pfadfinder in Bolivien unterstützen. Aber wir werden nicht einfach das gesammelte Geld in einen Umschlag packen und nach Südamerika schicken. Vielmehr wollen wir mit dem Geld Projekte der bolivianischen Pfadfinder fördern, die es sich zum Ziel gesetzt haben, vor allem die Kinder aber auch den Rest der bolivianischen Gesellschaft über ihre Kinderrechte aufzuklären und ihre Einhaltung aktiv einzufordern.

Einige von euch werden sich jetzt sicherlich fragen, ob das denn wirklich nötig ist, dass ausgerechnet Pfadfinder über Kinderrechte informieren, das wäre doch eher Aufgabe des Staates. Doch in Bolivien gibt es keine staatliche Behörde, die sich z.B. darum kümmert, dass keine Kinder zur Arbeit in die Minen geschickt werden oder die dafür sorgt, dass alle Kinder zur Schule gehen können.

Diese schwere Aufgabe möchte jetzt der ASB (Asociación de Scouts de Bolivia) übernehmen und so hat jeder der sieben ASB-Distrikte  ein Projekt erarbeitet. Zusätzlich wird auch der bolivianische Nationalverband mit vielfältigen Aktionen in seinem Bundeszentrum über Kinderrechte aufklären.

Dabei kommt der pfadfinderischen Pädagogik eine zentrale Rolle zu! So soll zunächst das Selbstbewusstsein der bolivianischen Kinder und Jugendlichen gestärkt werden, denn schließlich sind sie „Rechthaber“ und sollen sich auch so verstehen. Ziel ist es, dass sie in Workshops durch spielerische Erfahrungen und deren Reflexion das Vertrauen in ihre Rechte gewinnen und Interesse und Mut entwickeln, diese Rechte auch einzufordern. Durch die Weitergabe der gemachten Erfahrungen in ihren Familien, in der Schule und in ihrem Bekanntenkreis können sie einen großen Teil der Bevölkerung erreichen und „anstecken“. Aber sie sollen nicht nur erzählen, was sie gehört haben. Sie sollen auch gestärkt werden, ihre Kinderrechte einzufordern und sich zu hause oder in der Schule nicht alles gefallen zu lassen.

Nun etwas konkreter zu den Projekten. Als Beispiele möchten wir euch kurz die geplanten Projekte des Nationalverbandes und des Distrikts Oruro vorstellen.

Im Bundeszentrum des ASB in Arani wird eine Infrastruktur geschaffen, deren Ziel es ist, vielfältige Bildungsmöglichkeiten zu eröffnen, um die Kinder und Jugendlichen zu informieren und sie stark zu machen, für ihre Rechte einzustehen. So wird das bolivianische Bundeszentrum (vergleichbar mit Westernohe) weiter ausgebaut, es werden Lager zum Thema Kinderrechte und Workshops für die lokale Bevölkerung angeboten. Weiterhin sollen Ausbildungen im Tara-Anbau stattfinden und so eine Einnahmequelle für den ASB geschaffen werden (Tarakernmehl ist ein natürliches Gelier- und Verdickungsmittel, eher bekannt als Lebensmittelzusatz E 417, das keine schädlichen Nebenwirkungen auf Menschen hat).

In Oruro ist geplant, Kinder zu aktiven Bürgern aufzubauen. Das Projekt ist für 3 Jahre ausgelegt und sieht vor, 1000 Kinder und Jugendliche direkt darin zu bestärken, ihre Kinder- und Bürgerrechte einzufordern. Da sie einen entschiedenen Teil der Bevölkerung Oruros ausmachen wirkt sich das Projekt indirekt über ihre Familien schließlich auf die gesamte Gesellschaft aus. Konkret werden Mutter-Tochter und Vater-Sohn-Lager durchgeführt, um Missbrauch in der Familie vorzubeugen. Zusätzlich werden Workshops und besondere Aktionen für bedürftige kinder bzw. Familien angeboten.

(Die vollständige Vorstellung der Projekte aller Distrikte findet ihr im Jahresaktionsheft oder auf der Homepage www.wir-sind-rechthaber.de .)