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Deutsche Pfadfinder*innenschaft St. Georg Diözesanverband Paderborn

Ergebnisse der DPSG-Aufarbeitungsstudie veröffentlicht

5. Februar 2026 (von: Linda Zurwonne)

Triggerwarnung: Im folgenden Text geht es um sexualisierte und spirituelle Gewalt in Pfadfinderstrukturen

Am 05.02.2026 hat eine Pressekonferenz zur Bekanntmachung der Ergebnisse des Forschungsprojektes zur Aufarbeitung sexualisierter und spiritueller Gewalt in der DPSG stattgefunden. Wichtigste Ergebnisse zu den zentralen Befunden und den strukturellen Risikofaktoren fassen wir hier für euch zusammen. Die komplette Pressemeldung könnt ihr hier lesen.

Studienergebnisse

Seit Ende 2023 hat ein unabhängiges Forschungsteam das Vorkommen, die Hintergründe sexualisierter und spiritueller Gewalt sowie den strukturellen Umgang damit in der DPSG seit 1929 untersucht.
Ziel der Studie war es, bewusst darauf zu schauen, wo unsere Strukturen und unser Umgang miteinander grenzverletzendes und übergriffiges Verhalten begünstigen, um die Risikofaktoren anhand der Ergebnisse und Empfehlungen besser zu erkennen und beheben zu können.
Die wissenschaftliche Studie basiert auf einer Vielzahl an Interviews mit Betroffenen und Expert*innen aus dem Verband, standardisierten Befragungen sowie Analysen von Ausschlussverfahren und anderen Dokumenten.

Die Ergebnisse machen klar: Sexualisierte Gewalt ist, trotz der in sehr vielen Bereichen schon gelebten Präventionsmaßnahmen, noch immer ein weit verbreitetes Problem, dass sich aus den Verbandsstrukturen ergibt. Besonders gefährdet sind Kinder und Jugendliche in Gemeinschaftssituationen wie z. B. Lagern und Fahrten. Täter sind überwiegend männliche Leitende, die ihre Vertrauens- und Machtposition ausnutzen. Viele der Taten finden in ‚Beziehungen‘ statt, die geprägt sind von Machtunterschieden zwischen oft erwachsenen Leitenden und weiblichen Minderjährigen. Auch sexualisierte Gewalt, die von gleichaltrigen Jugendlichen ausgeht, ist in der Studie dokumentiert. Institutionelles Wegsehen und Bagatellisieren begünstigen all diese Taten.

Verbandstypische Gemeinschaftssituationen wie Fahrten und Zeltlager können, insbesondere in Kombination mit Alkoholkonsum, in vielen Fällen das Risiko für sexualisierte und spirituelle Gewalt erhöhen. Das Forschungsteam betont, dass Rituale, Traditionen sowie Macht- und Nähe-Distanz-Verhältnisse intensiver hinterfragt werden müssen.

Die DPSG übernimmt Verantwortung für das Leid, das Betroffene innerhalb des Verbandes erfahren mussten und müssen. Der Verband darf laut Bundesvorstand nicht länger ein Ort des Schweigens sein. Ziel ist es nun, bestehende Strukturen grundlegend zu überdenken und zukünftig einen sichereren Ort für unsere Mitglieder zu schaffen.

Den gesamten Forschungsbericht und die Aufzeichnung der Pressekonferenz findet ihr hier: https://dpsg.de/de/die-ergebnisse-der-aufarbeitungsstudie

Unterstützung und Ansprechpersonen

Hilfreiche Handlungsleitfäden

Der Bundesverband hat Handlungsleitfäden veröffentlicht, die euch Orientierung geben sollen, wenn ihr Gespräche zu den Ergebnissen führt. Hier findet ihr Tipps zum Umgang mit Anfragen von Eltern, Betroffenen und Presse:

Austauschformate

Solltet ihr selbst Gesprächsbedarf haben, so seid ihr herzlich zu den digitalen Austauschformaten eingeladen. Diese finden am 11.02. / 24.02. / 12.03.2026 jeweils um 19:30 Uhr statt. Die Teilnahmelinks findet ihr hier.

-> Wir empfehlen euch die Teilnahme sehr! Dort bekommt ihr die Studienergebnisse nochmal vorgestellt, bekommt Hilfe sie einzusortieren, könnt Fragen loswerden und euch mit anderen austauschen. Dies hilft sehr bei einer Einordnung der eigenen Gedanken und Gefühle.

Betroffenenforum

Betroffene von sexualisierter und spiritueller Gewalt könnt sich in den Betroffenenforen austauschen und vernetzen. Hier findet ihr mehr Infos und die Termine.

Podcast

Die DPSG hat nun einen eigenen Podcast, den ihr auf allen gängigen Plattformen unter „Knoten im Ohr“ findet. Dort ist bereits eine Folge zu der Studie online gegangen und es werden noch einige folgen. In Zukunft soll der Podcast auch für andere wichtige Verbandsthemen genutzt werden.

Ansprechpersonen im DV und im Bundesverband

Im Diözesanbüro sind Lisa Dzialdowski und Linda Zurwonne gerne für euch da: kindeswohl@dpsg-paderborn.de

Auf Bundesebene stehen euch Miriam Noske und Sebastian Becker für eure Fragen zur Verfügung: aufarbeitung@dpsg.de

Anfragen der Presse könnt ihr höflich an folgende Stellen weiterleiten:

Isabella Braun | Bundesleitung, Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Mail: isabella.braun@dpsg.de | Mobil: +49 176 146 999 61

Alle Informationen zum Aufarbeitungsprozess findet ihr auf folgender Seite: https://dpsg.de/de/verbandsleben/themen/kinder-und-jugendschutz/aufarbeitung

Nächste Schritte

Was können wir jetzt tun?

Das Wichtigste ist zunächst anzuerkennen, dass sexualisierte Gewalt in unserem Verband strukturell begünstigt stattfindet. Die Ergebnisse bestürzen und lösen unterschiedliche Emotionen aus. Das ist vollkommen normal und verständlich. Lasst sie zu und tauscht euch dazu aus. Ihr müsst damit nicht allein bleiben! Wichtig ist aber, dass wir uns klar machen, dass unser Schmerz den Schmerz der Betroffenen nicht überwiegt.

Wir können die Ergebnisse für uns nutzen. Die DPSG hat die Studie selbst in Auftrag gegeben, um Hinweise zu bekommen, wo wir noch näher draufschauen müssen, um unseren Verband sicherer zu machen. Genau dazu haben wir nun Antworten erhalten.

Da die Risikofaktoren vor allem in unseren Strukturen auszumachen sind, wird der Bundesverband nun, mit externer Expertise, an Verbesserungen arbeiten. Das braucht natürlich etwas Zeit. Denn ein gesamtverbandliches Problem braucht gesamtverbandliche Lösungen.

Aber auch die Menschen in den Stämmen und Bezirke können schon jetzt wertvolle Schritte gehen:

  • Hinterfragt die Traditionen und Rituale in eurer gelebten Praxis
  • Schaut, wo ihr euch selbst schonmal unwohl gefühlt habt und besprecht, was das für eure Arbeit im Stamm/Bezirk bedeutet
  • Befragt eure Kinder, wie es ihnen bei euch geht. Wo fühlen sie sich wohl und sicher? Was wünschen sie sich anders?
  • Gebt nicht auf und setzt eure Präventionsmaßnahmen weiter um. Prüft sie ggf. und passt sie an.
  • Setzt euch mit den Ergebnissen und Empfehlungen der Studie auseinander
  • Kommt ins Gespräch über die Ergebnisse. Nutzt die Austauschformate (zur Einordnung).
  • Fragt nach und holt euch ggf. Hilfe

Vom Bundesverband wird es neben Mails an Vorstände, Leitende und Erziehungsberechtigte auch weitere Informationsmaterialien geben. So werden Methoden und Studienteile erarbeitet, die vor Ort genutzt werden können. Die kommende Bundesversammlung wird sich intensiv mit der Aufarbeitungsstudie befassen und auch die Verbandszeitschrift „Querfeldein/Zeltgeflüster“ wird in der nächsten Ausgabe eine Einordnung der Ergebnisse geben und sich in der Herbstausgabe komplett mit dem Thema Aufarbeitung beschäftigen.