Brackwede wird Unterkunft für 40 Flüchtlinge

veröffentlicht am 15. November 2015

Rochus-Spiecker-HausDen Mitgliedern der Diözesanversammlung ist schon seit längerer Zeit bekannt, dass sich der Diözesanverband Paderborn von seinem Rochus-Spiecker-Haus in Bielefeld-Brackwede trennen möchte. Wir haben keinen Hehl draus gemacht, dass die Bewirtschaftung des Hauses immer schwieriger wurde und die Finanzlage eine längerfristige Nutzung nicht ermöglicht.
Geplant war, das Haus zum 31.12.2015 an die Kirchengemeinde zurückzugeben. In der letzten Woche haben sich aber die Ereignisse überschlagen, worüber die Mitglieder der Diözesanleitung, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Mitgliederversammlung der Rechtsträger informiert worden sind. Mit dem heutigen Tag wollen wir auch alle anderen über die weitere Nutzung der Hauses informieren.

Die Stadt Bielefeld war auf der Suche nach einer geeigneten Unterkunft für rund 40 minderjährige Flüchtlinge, die ohne ihre Eltern nach Bielefeld geflohen sind. Gemeinsam mit der Pfarrei St. Elisabeth stellen wir nun das Rochus-Spiecker-Haus für 18 Monate der Stadt zu Verfügung. Die Betreuung der jungen Menschen erfolgt durch die von Laer Stiftung, die schon seit 2011 mit dieser Aufgabe betraut ist.
Die Stadt schreibt dazu:

Aktuell kommen pro Monat ca. 100 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus verschiedenen Ländern nach Bielefeld; insgesamt sind es im Jahr 2015 bisher ca. 530 junge Menschen. Es handelt sich überwiegend um Jungen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren. Ihre Unterbringung erfolgt zumeist in kleineren Gruppen in Jugendhilfeeinrichtungen oder in anderen geeigneten Gebäuden, die über das gesamte Stadtgebiet verteilt sind.
Genauso wie bei der Unterbringung erwachsener oder als Familien einreisender Flüchtlinge ist auch bei den allein reisenden Minderjährigen die Unterbringung eine große Herausforderung. „Diese Minderjährigen kommen ohne ihre Eltern und benötigen daher besondere Unterstützung und besonderen Schutz. Deshalb bin ich sehr dankbar, dass die Katholische Pfarrei St. Elisabeth und die DPSG der Stadt Bielefeld ermöglichen, das Rochus-Spiecker-Haus vorübergehend zu nutzen“, sagt Sozialdezernent Ingo Nürnberger.
Für Pfarrer Maus ist das eine Selbstverständlichkeit: „Das Haus wird derzeit nur wenig genutzt und wir alle sehen, dass Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge händeringend gesucht werden. Hier nicht zu helfen, wäre unverantwortlich gewesen, gerade wenn man weiß, dass es sich um Minderjährige handelt, die ohne ihre Eltern unter schwierigen Umständen geflüchtet sind.“
Das sieht Ulrich Weber, Geschäftsführer der DPSG, genauso und ergänzt: „Die Pfadfinder im Erzbistum Paderborn engagieren sich bereits vielfältig für Flüchtlinge. Bei der Überlegung, wie das Haus künftig genutzt werden könnte, haben wir uns kurzfristig für diesen Schritt entscheiden, um jungen Menschen in Not zu helfen.“ Die von Laer Stiftung ist bereits an anderen Standorten schon seit 2011 in der Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge tätig und war sofort angetan von dem Gebäude. „Die räumliche Situation im Gebäude, das Außengelände und die Einbettung im Quartier bieten gute Voraussetzungen dafür, dass die zu uns gekommenen Minderjährigen nach ihrer oftmals langen und strapaziösen Flucht zur Ruhe kommen und sich hier in Deutschland neu orientieren können“, so der Geschäftsführer Joachim Liebe-Freund.

Bereits am Dienstag werden die jungen Menschen ins Rochus-Spiecker-Haus einziehen. Dies war auch möglich, indem die Gruppen, die das Haus in der nächsten Zeit gebucht hatten, in anderen Häusern untergebracht werden konnten und vollstes Verständnis für die Situation zeigten. Ihnen an dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön.

Die Kirchengemeinde ist am heutigen Sonntag im Anschluss an den Gottesdienst in der Herz Jesu Kirche informiert worden. Joachim Liebe-Freund von der von Laer Stiftung, Herr Henke vom Jugendamt, Pfarrer Maus sowie Ulrich Weber und Anna Werner von der DPSG standen den Anwohnern und Gemeindemitgliedern Rede und Antwort.