Ein Ostergruß

veröffentlicht am 4. April 2021

In den Bibeltexten, die zu Ostern gehören, gibt es den Bericht über die beiden Jünger, die auf der Straße von Jerusalem zu dem Dorf Emmaus unterwegs sind. Sie haben Jerusalem verlassen, weil die Geschichte, von der sie ein Teil waren und auf die sie so große Hoffnungen gesetzt hatten, ein für sie trauriges Ende gefunden hatte. Jesus, in dem sie den Messias, den Retter Israels erkannt hatten und mit dem sie das Reich Gottes aufbauen wollten, wurde gekreuzigt. Mit dem Tod Jesu sind alle ihre Hoffnungen gestorben, die Pläne zunichte gemacht. Also verlassen sie Jerusalem, und lassen ein Stück von sich selbst in Trümmern zurück. Auf der Straße reden die beiden miteinander, versuchen zu verarbeiten, was geschehen ist und teilen sich einander mit. Enttäuschung? Trauer? Wut? Verzweiflung? Mutlosigkeit?
„Was sind das für Dinge, über die ihr miteinander redet?“, fragt sie ein Fremder und geht mit ihnen. Sie erzählen es ihm. Und dieser Fremde stellt neben all das Traurige, was sie ihm erzählen, Botschaften aus der Heiligen Schrift, aus der Bibel. Und diese Botschaften fangen sie auf. Seine Hinweise und Worte haben bereits etwas Heilendes. Wenn Wunden heilen, dann juckt und brennt es.

Unsere Kapelle am Eulenspiegel in Rüthen


„Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss?“, so fragen sie sich nachher, als sie in Emmaus angekommen sind. Den Fremden hatten sie noch zu Tisch gebeten. Und erst, als dieser das Brot für sie brach, erkannten sie, dass er kein Fremder, sondern dass es Jesus war, der Auferstandene. Gleich rannten die beiden nach Jerusalem zurück, denn die Geschichte, ihre Geschichte mit Jesus, ihre Hoffnungen, die hatten zwar eine andere Wendung genommen, aber zu Ende, das waren sie nicht! Die Geschichte geht weiter!


Liebe Pfadfinderinnen! Ihr alle seid Teil einer Geschichte. Ihr habt euch eingelassen auf das Abenteuer der Pfadfinderei. Welche Hoffnungen, welche Träume, welche Vorstellungen und Pläne sind für euch damit verbunden? Was ist das Ziel? Wenn ihr dies lest, haben wir schon mehr als ein Jahr Corona-Pandemie in Deutschland hinter uns, die uns einen großen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Welche Pläne und Träume hat sie nicht alle zum Platzen gebracht: Gruppenstunden, Versammlungen, Hikes und Lager, PiW, Rovercamp, Tentakel, und, und, und… Was bleibt? Enttäuschung? Trauer? Wut? Verzweiflung? Mutlosigkeit? Was sind das für Dinge, über die ihr redet, wenn ihr mal einen anderen Pfadfinderin am Telefon oder vor dem Bildschirm habt? An ganz vielen Stellen ist deutlich geworden, dass ihr auch nicht allein unterwegs seid, sondern einander Wegbegleiter seid. Und dass die Pandemie sich nicht wie ein tonnenschwerer Stein über uns wälzt, der uns und unsere Pfadfinderei unbeweglich wie in einem Grab gefangen hält, sondern dass sich in den letzten Monaten manches wie durch eine Felsenspalte einen Weg ans Licht gesucht hat. Pfadfinderei sieht, dank euch, anders aus. Auf den ersten Blick vielleicht fremd: digital, vereinzelt und sehr kurzfristig. Aber dann, wo man miteinander Situationen und Erfahrungen und das Ringen um die gemeinsame Geschichte teilt, erkennt man: Doch, es lebt!

Ostern ruft uns jedes Jahr zu: die Geschichte ist nicht zu Ende!

Die Geschichte Jesu ist am Grab nicht zu Ende!

Deine Geschichte wird nicht zu Ende gehen, wenn du an ihn glaubst!

Unsere Geschichte geht weiter, weil wir als Weggemeinschaft von Pfadfinder*innen Jesus mitten unter uns wissen dürfen.


In diesem Sinn freuen wir uns, mit euch unterwegs zu sein, auch auf schwierigen Wegstrecken und wünschen euch ermutigende und belebende Kar- und Ostertage.
Gut Pfad!
Christin, Patrick & Tobias


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