Erzbischof Becker unterzeichnet „Grundlagen und Eckpunkte katholischer Jugendarbeit im Erzbistum Paderborn“

veröffentlicht am 26. Juli 2010

PADERBORN Berufung leben, zulassen und fördern: Mit diesem Appell hat sich Erzbischof Hans-Josef Becker am Sonntag beim traditionellen Libori-Empfang an die Haupt- und Ehrenamtlichen im Erzbistum Paderborn gewandt. „Es wird darum gehen, dass die Berufung des einzelnen lebendig werden kann, dass sie Kreise ziehen, anderen dienen und so für das ganze Volk Gottes und alle Menschen guten Willens fruchtbar werden kann“, sagte er im Collegium Leoninum.
Der Impuls, die „Pastoral der Berufung“ zur Zielrichtung für das pastorale Handeln in den kommenden Jahren zu machen, sei auf weite Zustimmung im Erzbistum gestoßen, so der Erzbischof. Er erinnerte an das zentrale Anliegen, dem diese Ausrichtung diene: „das Weiterleben des Glaubens an den Gott Jesu Christi in unseren Breiten“. Dabei mache das Kriterium „Berufung“ deutlich, dass es beim gegenwärtigen Entwicklungsprozess nicht nur um Strukturveränderungen gehe. Angestrebt werde vielmehr eine theologisch begründete und geistlich verankerte Erneuerung der Pastoral. „Ich hoffe dabei auf das Mitgehen, Mitdenken und Mitbeten möglichst vieler Menschen, angefangen von den hauptberuflich und ehrenamtlich Tätigen bis hin zu den Ordenschristen, Diakonen und Priestern“, sagte er.
Der Erzbischof verwies darauf, dass die Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils zu den verschiedenen Ausprägungen der Berufungen noch lange nicht eingeholt seien. Daher sei eine neue Phase des Lernens notwendig, um zu einem ausgewogenen, vertrauensvollen Miteinander von Laien und Priestern zu gelangen. Auf diese Weise könnten sich die verschiedenen Formen der Berufung gegenseitig ergänzen und bereichern.
Erzbischof Becker kündigte weiterhin an, dass die „Pastoral der Berufung“ bis zum Jahr 2014 auf allen Ebenen des Erzbistums als zentrale Bezugsgröße für das pastorale Handeln verankert sein solle. Bis zum Ende des Jahres rechne er mit konkreteren Ideen, wie die „Pastoral der Berufung“ angesetzt und ins Gespräch gebracht werden könne. Außerdem kündigte er eine diözesanweite Erhebung zur „Pastoral der Berufung“ für das Jahr 2014 an. Darin sollten die inzwischen gesammelten Erfahrungen aufbereitet und ihre Eignung für die pastorale Weiterentwicklung geprüft werden. Ausdrücklich warnte der Erzbischof aber vor einem übereilten Aktionismus: „Die Pastoral der Berufung soll das pastorale Handeln prägen, sie soll jedoch nicht als eine Last empfunden werden, die wir uns neben den täglichen Herausforderungen noch zusätzlich aufbürden“, sagte er.
Im Rahmen des Empfangs unterzeichnete Erzbischof Hans-Josef Becker die neuen „Grundlagen und Eckpunkte katholischer Jugendarbeit im Erzbistum Paderborn“. Diese wurden in einem mehrjährigen Prozess von allen Trägern katholischer Jugendarbeit im Licht der Perspektive 2014 neu erarbeitet. An der Buntheit jugendlicher Lebensentwürfe werde die Vielfalt innerhalb der Pastoral der Berufung besonders deutlich, sagte er dazu. Er freue sich über den breit angelegten Dialogprozess, der zu dem neuen Dokument geführt habe und dankte allen Verantwortlichen für ihr Engagement.
Zuvor hatte Erzbischof Becker mit vielen Gläubigen im Hohen Dom das Pontifikalamt am Libori-Sonntag gefeiert. In seiner Predigt stellte er fest, dass der Blick der meisten Menschen gegenwärtig ganz auf das Diesseits gerichtet sei. Im Gegensatz dazu plädierte er dafür, die eigene Perspektive nicht nur auf den Nahbereich zu beschränken, sondern nach Gott zu fragen und sich von ihm anfragen zu lassen. Das diesjährige Libori-Leitwort „Denn wir schauen aus nach dir“ wolle zu dieser Ausweitung des Blicks anregen.
Der Erzbischof kritisierte den „halbierten“ Blick der Menschen auf ihre irdische Lebenszeit, die Verdrängung des Todes und „die verschwommene Sicht“ auf den Himmel. „Wo das Jenseits des Todes schlechterdings als Vertröstung verdächtigt wird, da wird das Diesseits trostlos“, sagte er. Zwar gebe es auch eine fragwürdige Vertröstung auf das Jenseits, noch fataler sei allerdings die Vertröstung auf das Diesseits. Denn „wenn das Leben vor dem Tod alles ist, dann wird es zur letzten Gelegenheit“. Die Konsequenzen seien „Lebenssucht und Todesangst, Hektik und Überforderung“. Wer jedoch im Leben daran glaube, dass ihm das Beste noch bevorstehe, verliere die Angst, zu kurz zu kommen. „Er hat Zeit, sich anderen zuzuwenden, und zwar besonders denen, die keinen Menschen haben“, so Erzbischof Becker.
Erzbischof Becker feierte das Pontifikalamt in Konzelebration mit vielen bischöflichen Gästen aus der Weltkirche und spendete am Ende des Gottesdienstes allen Gläubigen den päpstlichen Segen. Nach dem Festgottesdienst wurden das Allerheiligste und der vergoldete Silber-Schrein mit den Reliquien des Heiligen Liborius in einer Sakramentsprozession durch die Paderborner Innenstadt getragen


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