Jugendliche zimmern Zukunftspläne

veröffentlicht am 26. Oktober 2010

RÜTHEN Sie bauten nicht nur einen Schuppen oder große Holzmöbel, sondern sie wurden zu Zimmerleuten ihrer eigenen Zukunft: 13 Förderschüler aus Siegen-Wittgenstein absolvierten jetzt das einwöchige Baucamp auf dem Zeltplatz „Eulenspiegel“ bei Rüthen. Der große Zeltplatz und das Jugend- und Bildungshaus wurden winterfest gemacht und viele Arbeiten zur Verschönerung des Geländes erledigt.

„Die Jugendlichen haben durchgehalten und Engagement gezeigt“, lobte Ulrich Weber, Geschäftsführer der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) im Erzbistum Paderborn, die Leistungen der Jugendlichen. Denn beim Baucamp, einer gemeinsamen Maßnahme zur Berufsorientierung von DPSG und dem katholischen Jugendwerk Förderband Siegen-Wittgenstein, geht es um das Training von „Soft Skills”. Das sind soziale Kompetenzen, wie Durchhaltevermögen, Pünktlichkeit oder Ordentlichkeit, die heute neben einem guten Abschluss immer wichtiger für die Jobsuche werden.

Für die Plackerei auf dem Pfadfinderzeltplatz mussten sich die Jugendlichen bewerben, denn Bereitschaft und Engagement werden vorausgesetzt. Zweimal im Jahr jeweils für eine Ferienwoche im Frühjahr und im Herbst kommen die Jugendlichen nach Rüthen. Es sind Schülerinnen und Schüler von Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen. Vor der Fahrt kommt immer eine kleine Flut an Bewerbungen zusammen. Förderband und Lehrer entscheiden später gemeinsam über die Teilnahme. „Wir überlegen genau, welche Schüler wir so gezielt fördern können“, erklärt Dietmar Vitt vom Förderband, Leiter des Arbeitsbereiches „Schulbezogene Jugendsozialarbeit“.

In Rüthen standen jetzt Bäume schneiden, Unkraut zupfen, Wege pflastern, Schuppen zimmern und große Holzmöbel bauen auf dem Programm. Und am Ende gab es schließlich den ersehnten Lohn. Nicht das Taschengeld, das sie für die eine Woche Arbeit bekommen, sondern ganz viel Bestätigung und natürlich ein Arbeitszeugnis.

So geht es morgens pünktlich um 8 Uhr für die Jugendlichen los. Der straffe Tagesablauf ist hart und für machen noch gewöhnungsbedürftig, aber es soll zugehen wie im richtigen Arbeitsleben. Um die Gemeinschaft zu stärken und für Abwechslung zu sorgen, stehen Kino, Kegeln und ein Sadtbummel in Paderborn auf dem Programm.

Neben der Entwicklung von „Soft Skills“ und Gemeinschaftsgefühl entdecken die Jugendlichen vielseitige Fähigkeiten bei sich selbst. „Mancher möchte später im Landschafts- und Gartenbau tätig werden, andere werden kreativ und wollen den Beruf des Malers kennen lernen und wiederum andere finden die Arbeit des Maurers gut“, weiß Ulrich Weber.

Seit über 20 Jahren gibt es Baucamps auf dem Zeltplatz „Eulenspiegel“, die durch enge Kontakte zwischen DPSG und Förderband entstanden sind. Die Maßnahme wird in diesem Jahr finanziert vom „Pakt mit der Jugend“ und findet so die Anerkennung der Landesregierung, die die „gemeinsame Gestaltung des Übergangs von der Schule in den Beruf zusammen mit den Jugendlichen“ als förderungsbedürftigen Bereich sieht.

Neben dem finanziellen Aspekt ist für das Baucamp viel Engagement nötig. Denn nicht nur die Schüler opfern ihre Ferien, auch die sechs ehrenamtlichen Betreuer nehmen ihren Urlaub, um das Baucamp möglich zu machen. „Wir erleben das Baucamp als eine Maßnahme, die in besonderer Weise Jugendliche motiviert und nachhaltig beim Einstieg in das Berufsleben hilft“, resümiert Dietmar Vitt.

Stichwort Förderband:

Seit über 25 Jahren setzt sich das Katholische Jugendwerk Förderband Siegen-Wittgenstein für benachteiligte Jugendliche im Kreis Siegen-Wittgenstein ein. Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt in der Betreuung und Begleitung von schwer vermittelbaren jungen Menschen unter 27 Jahren in den ersten Arbeitsmarkt. Dazu gehören unter anderem Hauptschüler ohne Schulabschluss, Förderschüler, sowie Menschen mit Migrationshintergrund. Das Jugendwerk Förderband ist aus dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) entstanden, dem Dachverband der Jugendverbände im Erzbistum, daher besteht bis heute eine enge Verknüpfung zur DPSG.

Text und Fotos: Dirk Lankowski

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